Tuesday, March 21, 2006

Brieffreunde

Zuerst ein Dankeschön für das epochale Interesse und die viele konstruktive Kritik betreffend meiner ersten Veröffentlichung. Werde versuchen sämtlichen Vorschlägen gerecht zu werden. Vielleicht findet sich wirklich ein Publikum das sich für das Brutverhalten gestreifter Leoparden im Zoo von Bangladesch oder für die sozialökologischen Auswirkungen einer Schokoladen-Knappheit in der Schweiz auf die öffentliche Ordnung interessiert. Vielleicht. Das Thema dieser Woche ist aber ein anderes. Sozusagen das Fundament unserer Confoederatio Helvetica. 320 auf 200 Millimeter Papyrus. Packender Inhalt. Kenne ihn. Hab ihn im Rahmen meiner umfangreichen Recherchen sogar gelesen. Der Bundesbrief. Ein Mix von heldenhafter Musketier-Rhetorik und Strafgesetzbuch. Und das alles auf einem Blatt. Nicht schlecht. Das muss man erst einmal nachmachen. Uns den Eidgenossen. Bei solch meisterhaften Leistungen ist es auch nur verständlich, dass wir da kräftig protestieren wenn man uns diesen Brief wegnehmen will. Wir wollen ihn doch auch mal sehen und lesen bevor das die Amerikaner können. Wir hatten ja nicht wirklich Zeit dazu. So die letzten 715 Jahre seit er geschrieben worden ist. Auch verständlich, dass sich vor allem die, allgemein konservativen, Kräfte der Talschaft Schwyz im Widerstand profilieren. Der Kanton Schwyz gehört ja immerhin zu den Verfassern des Bundesbriefes. Und offizieller Ausstellungs- oder besser Konservierungsort ist er auch. Sie haben auch eine begründete Angst vor der temporären Auslagerung. Gemäss unbestätigten Quellen wird der fehlende Brief jeden Monat Einbussen in ungenannter Höhe generieren. Zudem ist das Bundesbriefmuseum ohne Bundesbrief was der Emmentaler ohne Löcher ist. Einfach Käse. Auch will man nicht noch weitere Verluste riskieren. Denn dem Brief sind die drei Siegel der Stände Unterwalden, Uri und Schwyz angehängt. Oder waren. Derjenige des Kantons Schwyz fehlt. Ist fehlen gegangen über die Jahre. Sozusagen. An dieser Stelle können Sie ungeniert bestätigend mit dem Kopf nicken. Das wussten Sie. Man hat ja in der Schule aufgepasst. Man kennt natürlich den Bundesbrief. Wer nicht. Man ist schliesslich Schweizer und seiner Geschichte bewusst. Dass das ausgestellte Objekt nicht der Originalbrief ist wissen Sie sicher auch. Der wurde ja im Jahre 1303 von den Habsburgern beschlagnahmt und später in einem Rausch von Macht und Überheblichkeit spöttisch verbrannt. Auf dem Schwyzer Gemeindeplatz. Ja so ging das früher zu und her. Im Spätmittelalter. Auch bei uns in der Schweiz. Übrigens alles nachzulesen auf tell.ch. Tolle Seite. Gut zugegeben, das mit den Habsburgern war jetzt erfunden. Wollte lediglich Emotionen schüren. Einen gemeinsamen Gegner finden. Einen gemeinsamen Feind. Egal für was. Hauptsache gemeinsam. Ist immer gut so was zu haben. Verbindet. Lenkt ab.

4 Comments:

Anonymous Roger said...

Wieso wollen die Amis uns den Brief wegnehmen? Dürfen wir dazu einen Präventivschlag ausführen? Einfach so zur Sicherheit? Ein paar Amerikaner, Russen und andere Schurken bei uns ins Reduit sperren? Sie bei Gölä und Greyerzerfondue umerziehen, zu echten, ehrhaften Schweizern? Was sagt der Bundesbrief dazu?

12:07 PM  
Anonymous nadia said...

Die Angst ist da, unseren Bundesbrief zu verlieren. Also muss er wohl einzigartig sein und wertvoll, und es muss Sinn machen, so einen zu haben. Haben am Ende noch unsere Nationalbank-Goldreserven etwas damit zu tun? Die Entdeckung des Stewis oder der Bau der ersten (und zweiten?) Gotthardröhre? Wer weiss. Auf jeden Fall freuen wir uns sehr, so einen Bundesbrief zu haben. Und was haben wir in der Schule gelernt (auf die ja auch unser Autor in Momenten der Argumentationsknappheit zurück zu greifen scheint), was man macht mit etwas Schönem und Gutem? Klar: Teilen.

Warum also nicht umdenken? Vom ‚Dä ghört mier’ wegkommen und uns gedanklich und staatspolitisch-wachstums-strategisch den USA annähern? (Die Amis sind in diesem Fall ja schliesslich ziemlich naheliegend – das sind ja die, die mit uns um den Brief zanken.)

Die Idee: ‚Demokratischer Bundesbrief-Imperialismus’. Lasst uns einfallen in die Länder dieser Welt mit unserem Bundesbrief, lasst uns die Weltkarte erobern, der Achse entlang, von unten links nach oben rechts, immer der Nase nach, diagonal, vertikal, kreisförmig und rückwärts. Lasst uns Gutes tun, Kopien des Bundesbriefs aus Flugzeugen werfen, FTP- und ‚Träume nicht dein Leben, sondern lebe deinen Traum’-Grafitis damit überkleistern, eine Bundesbrief-Dokumentvorlage in Word, Excel und Power Point installieren und ein allsonntägliches Bundesbrief-Vorlesen in allen grossen Städten und Randregionen dieser Erde veranstalten. Wobei der Leser strammsteht und den klaren Blick gen der Helvetischen Alpen richtet. (Anmerkung: Dieser Vorschlag nur, um auch die letzten nationalen Skeptiker zu gewinnen)

1:28 PM  
Anonymous Phil said...

Von mir aus darf man ruhig alle Bundesbriefe in die USA schicken. Schon ich alleine habe zu Hause stapelweise davon, die wohl genügen würden um damit jedes 9/11 Museum der USA aus zu statten. Beispielsweise habe ich gerade letzte Woche einen Bundesbrief erhalten, der mich zum obligatorischen Schiessen auffordert. Meiner hatte aber merkwürdigerweise keine Siegel darauf. Sie hätten sich diesen Brief jedoch sparen können. Als Elitesoldat der Kampfeinsatztruppe für überlebenssichernde Operationen im Kontext hoher Ungewissheit und Gefahr (oder kurz als Sanitäter), trainiere ich täglich meine Schussferitgkeit an einheimischen Vögeln und Katzen. Dank der Vogelgrippe haben diesbezüglich auch die ständigen Reklamationen und Entrüstungsstürme der Nachbarn abgenommen. So habe ich dann auch den Verfassern meines Bundesbriefes einen Brief zurückgeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren

Vielen Dank für ihren Bundesbrief. Vielen Dank auch für die vielen anderen Briefe, Marschbefehle, Aufforderungen und Androhungen, die Sie mir im grosszügigen Wochenrhythmus zusenden. Ihr unermessliches Interesse in meine Person ehrt mich zutiefst. Bezüglich Ihrer Erinnnerung für das obligtorische Schiessen, kann ich Sie glücklicherweise beruhigen. Seit dem Ende der RS übe ich regelmässig und enthusiastisch an beweglichen Zielobjekten in meiner näheren Umgebung. Leider habe ich dadurch die Notfalltaschenmunition von ihnen fast aufgebraucht und ich wäre ihnen verbunden, wenn sie mir eine neue Packung zusenden könnten.

Mit freundlichen Grüssen melde ich mich vom obligatorischen ab.
Soldat Rüdisüli

P.S. Das Datum für den von Ihnen vorgeschlagene WK passt mir leider nicht so gut, da ich zu dieser Zeit auf Geschäftsreise auf den Malediven bin. Sie können mir jedoch gerne ein bilderfrohe Broschüre schicken, anhand derer ich den Kurs im Selbststudium druchführen kann.

9:09 PM  
Anonymous martinü said...

Wau! Ha gar nit gwisst dasd chasch schribu. aber eigentli logisch so wie dü schnurrsch. aber finnus wirkli güet. vorallum der bundesbrieftext. der het veröffentlichungswärt. der farbutext isch total typisch nick. der chasch de bringu went so prüehmt bisch wie der mvh. aber wirkli hut ab.

11:16 AM  

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