Frühlingsgefühle
Die Blumen spriessen, die Bäume treiben und die Vögel zwitschern. Letztere auch frühmorgens vor meinem Fenster. Gut ich füttere sie auch. Obwohl das Arsenfutter bekommt nicht allen. Ja aber es ist Frühling. Das freut mich. Frühling bedeutet Energie, Neuanfang und keine Skirennen. Das ist schön. Die vielen übertragenen Skirennen im Winter führen nämlich mit dazu, dass viele Menschen depressiv werden. Behaupte ich. In dieser dunklen Jahreszeit sehen zu müssen wie die eigene Nation um die Plätze 10 und 11 kämpft ist auch wenig heroisch. Und das auf mindestens 4 Kanälen gleichzeitig. Unterstützt werde ich hier von der offiziellen Münchner Bordellstatistik. Die zeigt klar, dass bei Niederlagen vom FC Bayern München bedeutend weniger Männer das rote Licht aufsuchen. Dann lieber gelber Alkohol und blauer Dunst. Sportliche Niederlagen demoralisieren unser Ego, schwächen die Wirtschaft und verhindern das Wachstum des Volkes. Das ist auch der Grund warum uns die USA volkswirtschaftlich haushoch überlegen sind. Das ist eine Gewinnernation. Da werden keine Plätze 4 und 5 bejubelt. Da gibt es keine Interviews, keine Berichte, keine Talkshow-Einladungen für Verlierer. Défago, Schnyder oder Sauber würde man in den USA ignorieren. Zitate wie Ihr seid alle Gewinner oder Mitmachen alleine zählt existieren dort erst gar nicht. Zu recht. Sogar die eigenen Toten aus fernen Kriegsplätzen werden ignoriert. Nur der Sieg zählt. Sportberichte müssen Successtories sein. Das wusste schon Goebbels. Beschreibungen wie das Potenzial war vorhanden, es fehlte nicht viel oder die Umstände verhinderten gehören nicht in unsere Medien. Das zählt ja jetzt nicht nur für den Sport. In der Wirtschaft das gleiche Bild. Da wird Geld ausgegeben für absolute Verliererprodukte, ja ganze Verliererindustrien. Nationale Zuckerindustrie. Betriebswirtschaftlich totaler Schwachsinn. Aber man hält daran fest. Wie die Italiener an ihren Müttern. Es wird kriegstaktisch argumentiert. Zucker sei strategisch ein absolutes Muss. Für jedes Land. Es werden dann auch Szenarien erarbeitet die diese Thesen stützen sollen. Hier ein Beispiel: Romano Prodi und sein, gemäss Berlusconi, kommunistisches Gefolge kommen in Italien an die Macht. Sarkozy wird in Frankreich Präsident. Geschickt eingefädelt. Fehler von de Villepin genutzt, sich mit den Gewerkschaften arrangiert, Chirac den Hof gemacht. Weissrussland und Italien verbünden sich, annektieren Deutschland wegen dem Öl. Die haben ja neu eine direkte Leitung aus dem Kreml. Frankreich eilt Deutschland zur Hilfe. Solidarité pure. Spanien zerfällt. Wie dazumals die Sowjetunion. Bürgerkrieg zwischen Neukatalonien, Neubaskenland und Zapatero’s sozialistischer Bürgerwehr. Dazwischen Calmy-Rey’s Diplomatinnen am vermitteln. Auf Französisch. Die Schweiz umgeben von Krieg. Mittendrin. Isoliert. Abgeschnitten von der Aussenwelt. Die SVP ist glücklich. Ziel erreicht. Und wir, wir haben unseren eigenen Zucker. Grossartig. Immerhin. So müssen wir nicht auf unseren geliebten Morgenkaffee und unsere süsse Schokolade verzichten. Obwohl. Eigenen Kaffee haben wir nicht. Kakao auch nicht. Dafür eigenen Tabak. Tabak und Zucker wird in der Schweiz subventioniert. Macht keinen Sinn. Nicht jetzt und auch nicht in zukunftsfremden Szenarien. Ich fordere weg mit den Zuckerrüben. Bauen wir lieber Hanf an. Kriegstaktisch 9-mal klüger. Kann man als Tarnung gut gebrauchen. Oder den Feind einnebeln. Oder in der Friedenspfeife zusammen rauchen. So oder so. Besser als gezuckerten Tabak. Zuckerrüben in der Schweiz gehören der Vergangenheit an. Lassen wir sie dort. Nicht aber die jährlichen 26 Mio. Franken.

3 Comments:
äusserst bemerkenswert: den übergang von frühlingstollen spatzen über die schweiz als ex-ski-nation und den machtgelüsten diverser politiker beider seiten zu den protektionistischen agrarsubventionen in einem text. dazu eine klare politische positionierung mit einbezug sämtlicher aktueller nzz-titelseiten-themen und einigen catchigen facts-schlagwörtern. kompliment! mach weiter so - und lass die vögel pfeifen.
bin total enttäuscht....habe gehofft es kommt eine hasstirade auf den jetztigen frühling, eine idee wie man zu einer demo gegen schneestürme aufrufen, die verantwortlichen politiker stürzen und des landes verbannen könnte!!! stattdessen wird über irgendwelche zuckerrüben philosophiert die mittlerweile sowieso alle erfroren sind und sich damit das thema ja wohl erledigt hat....jawoll, es ist mir sch... egal was in der schweiz subventioniert oder nicht wird, ich will endlich frühling! ja bitte, hilft mir denn keiner? ich habe ein winterdepression und das im april! wieso können sie in russland für jeden feiertag mit ein paar chemikalien schönes wetter zaubern und hier erstarren wir zu eis? aber ich sehe schon, meine anregungen sind hier fehl am platz, der autor scheint in einer scheinwelt aus fröhlichem vogelgezwitscher und sonnenschein zu leben, während die welt um ihn herum längst erfroren ist...
Julie, immerhin ist der Frühling langsam eingekehrt - es grüenlet. ;)
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