Monday, September 11, 2006

Goldene Zeiten

Sie werden alt. Schon einmal Gedanken darüber und die damit verbundene Vorsorge gemacht? Ich hab das letzthin getan, während ich mir in der Migros kurz vor Ladenschluss einen Weg durch meine pensionierten Mitbürger bahnte (alte Menschen sollten nur zwischen 9 und 11 Uhr morgens einkaufen dürfen, ausser Samstags, dann gar nicht). Dabei wurde mir aber schnell klar, dass solche Gedankengänge lediglich den mentalen Alterungsprozess beschleunigen und somit von kontraproduktiver Natur sind. Das Thema war damit für mich erledigt. Dachte ich zumindest. Denn letzte Woche bekamen wir, das mündige Schweizer Volk (mündig hier zu meinem Bedauern ausschliesslich über das Alter definiert), wieder einmal Post vom Bund. Neben dem wohl grössten Schweizer Problem (könnte man zumindest denken wenn man sich in einer der tausenden, gutbürgerlichen Beizen unseres schönen Landes umhört), nämlich den Asylanten und den Ausländern, gilt es zudem auch über die Verwendung von viel Geld zu entscheiden. Der Hammer nicht? Asylanten, Ausländer und Geld. Totally sexy – politisch gesehen zumindest. Da hat jeder eine Meinung dazu, und vor allem bei den beiden erstgenannten viele interessante Begebenheiten zu erzählen. Dort gelesen, hier gesehen und von dem gehört. Dazu soll sich aber jeder seine eigene Meinung bilden. Ich will hier nur über das Geld schreiben. Bin schliesslich weder Alt-SP-Bundesrätin noch Neu-Justizminister sondern Betriebsökonom. Wenn ich über das Geld entscheiden könnte hätte ich dem Volk ganz andere Vorschläge unterbreitet. Zum Beispiel hätte man das Geld lotteriemässig unter allen abstimmenden Bürgern auslosen können. Was für eine Stimmbeteiligung das gewesen wäre. Damit hätten wir Lukaschenkos jeweilige Wahlquote sogar übertroffen. Hätten wir. Oder wir hätten die Subventionen für die Landwirtschaft wieder ausbauen können. Jetzt wo die Doha Runde definitiv gescheitert ist und kein internationaler Liberalisierungsdruck mehr besteht. Nur eine logische Konsequenz wäre das gewesen. Wer will schon eine wettbewerbsfähige Landwirtschaft wenn kein Wettbewerb existiert? Gibt ja auch keine Meldestelle für Menschenrechtsverletzungen in Burma. So oder so wären diese Vorschläge allemal besser gewesen als die Alternativen die uns am 24. September zur Auswahl stehen. Die Frage ist: Wollen wir das Geld, also die Gewinne der Nationalbank, der AHV oder den Kantonen geben? Also so zusammengefasst ausgedrückt zumindest. Das Stimmbüchlein müssen Sie schon selber lesen. Sie können natürlich auch darauf verzichten und guten Gewissens meiner Empfehlung folgen: Stimmen Sie NEIN! Mit diesem nein outen Sie sich nicht etwa als ideenloser SVP Wähler aber können der SP trotzdem eine Absage erteilen. Ist doch auch was. Und so hart es auch tönen mag, aber wenn Sie zu der mittlerweile immer breiter werdenden Masse mit höherer Bildung gehören und oder arbeitstechnisch auftriebsam sind müssen Sie sich sowieso selber um Ihre Vorsorge kümmern. Zudem liegt die Rettung der AHV einzig in einer Umfunktion hin zu einer reinen Ausgleichskasse. Will heissen, dass mit Lohnabzügen der besser Verdienenden versucht wird den weniger gut gestellten Mitbürgern im Alter unter die Arme zu greifen. Nicht mehr und nicht weniger. Wie das der Kanton Zürich mit dem Wallis tut, zum Beispiel. Vorsorge für alle ist doch total utopisches Sonnenblumendenken. Demografietechnisch gesprochen. Ich persönlich riskier lieber, dass die Kantone weiter Geld für Kantönligeist-Politik ausgeben und nebenbei vielleicht doch noch ein wenig in Bildung und Wirtschaft investieren als die Lösung des AHV Problems weitere zehn Jahre auf Gold zu legen.

9 Comments:

Anonymous Claudia said...

Interessanter Ansatz aber ich persönlich bin doch überzeugt von der aktuellen AHV und sicher auch froh um den einen oder anderen Batzen im Alter.
Politisch gesehen zu wenig diplomatisch geschrieben aber ich nehme jetzt einmal an, dass dies auch nicht beabsichtigt war :)

4:51 PM  
Anonymous fan von nick said...

auf eis legen - auf gold legen! ein doppeltes wortspiel so gekonnt platzieren: chapeau!

4:56 PM  
Anonymous Anonymous said...

hatte mich schon auf einen weiteren beitrag zur asylabstimmung eingestellt *gähn* und wurde positiv überrascht, dass jemand tatsächlich weiss, dass wir über mehrere themen abstimmen, und sogar noch eine inhaltsangabe abgibt. kompliment, das haben viele zeitungen nicht hingekriegt.

7:24 PM  
Anonymous Matt said...

Wir wollen mehr!

8:09 AM  
Anonymous Andi said...

Gratulation zu deinem Blog, immer sehr unterhaltsam! :>

Übrigens: Wie kann man sich als Gastautor qualifizieren?

11:54 AM  
Anonymous Tanja said...

Hey nick, hatte noch nie einen text auf deiner page gelesen, jetzt aber eben alles nachgeholt. Wollte nur einen lesen, konnte mich aber nicht mehr bremsen und da kamen gleich alle an die reihe. Sehr unterhaltsam und super geschrieben, hat mich gerade gepackt! Gib bescheid, wenn wieder ein neuer text erscheint!

12:05 PM  
Anonymous Phil said...

Stimmme Master Nick (hättest Du wohl gerne wenn man Dich so nennen würde)komplett zu. Obwohl ich von den doch schon paar tausend einbezahlten AHV-Franken noch den einen oder anderen zurück hätte! Die Doha-Pointe war wohl etwas voreilig gemäss neuen WTO Berichten... Mit Deinen politischen Ideen bist Du aber definitiv politisch nicht tragfähig, sorry!

2:57 PM  
Anonymous José Maria Gonzalez said...

¿Porke no hay una versión española? José

7:58 PM  
Anonymous Phil der Bruder said...

Möchte dazu noch Nationalrat Rechtsteiner aus Basel (SP) erwähnen, der gesagt hat, dass die Nationalbankdirektion Nachhilfe in Sachen Währungspolitik benötigt und das obwohl die Schweiz seit über 10 Jahren ein bewundernswertes Inflationsniveau vorweisen kann.

3:59 PM  

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